Aristoteles aus MV
Bücher
Über dieses Buch schrieben wir einleitend gemeinsam mit dem Mitautor Professor Dieter Schott, Rostock:
Der Mathematiker, Logiker und Philosoph Gottlob Friedrich Ludwig Frege (1848-1925) hat die Entwicklung der modernen Wissenschaft maßgeblich beeinflusst. Viele Abhandlungen und Biografien geben darüber Auskunft. In der breiten Öffentlichkeit ist er aber kaum bekannt. Wir wollen daher sein Leben und Wirken in Form einer Romanbiografie beschreiben und einem größeren Leserkreis näherbringen.
War Gottlob Frege zu Lebzeiten die allgemeine Anerkennung noch versagt geblieben, so änderte sich dies später entscheidend. In Fachkreisen wird er heute wegen seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auch oft „Aristoteles der Neuzeit“ genannt. Mit der sogenannten „Begriffsschrift“, deren Entstehung und Bedeutung wir unter anderem nachzeichnen wollen, begründete Frege 2200 Jahre nach Aristoteles die moderne, inzwischen schon klassische zweiwertige Logik. Dieser Geniestreich führte letztendlich in die Computerwelt der Gegenwart. Darüber hinaus hat Frege aber weitere bedeutende Arbeiten zu den Grundlagen der Wissenschaft hinterlassen.
In unserer Romanbiografie werden wahre und plausible fiktive Begebenheiten erzählerisch verbunden. Einige Formeln, Tabellen und wissenschaftliche Erörterungen kommen im Text vor. Tiefergehende Erklärungen sind in den letzten beiden Kapiteln durch Einrahmung gekennzeichnet. Wir hoffen, dass der Leser dafür Verständnis hat, denn nur so lässt sich eine Ahnung von Freges so bedeutungsvollem Werk vermitteln.
Der vorliegende erste Teil des Buches beschreibt zunächst Freges Kindheit und Jugend in Wismar, danach seine Studienjahre in Jena und Göttingen. Der erste Teil findet seinen Abschluss und Höhepunkt in Freges Erfindung der Begriffsschrift, diesem Meilenstein der Logik, und in der damit verbundenen Berufung zum außerordentlichen Professor an der Universität Jena.

Eines der Formelbilder in der Begriffsschrift
Dieser erste Teil wurde in den Jahren 2019-2022 verfasst. Die Drucklegung erfolgte wieder im Verlag Koch & Raum, Wismar.
Der zweite Teil wurde im Juli 2024 zum Abschluss gebracht. Darin werden romanhaft die Jahrzehnte der Professorenzeit in Jena sowie die Rückkehr Freges in die Heimat, sein Ruhestand ab 1918 bis zu seinem Tod im Juli 1925 beschrieben. Es geht zunächst um die Selbstbehauptung in Jena und die Ehe mit seiner Frau Margarete, die wie die spätere Haushälterin Meta Arndt auch aus Mecklenburg stammte. Wir schildern das wissenschaftliche Umfeld Freges in Jena, unter anderem die Begegnungen mit Ernst Abbe, Ernst Haeckel und dem Nobelpreisträger von 1908, Rudolf Eucken. In den Jahren 1904 und 1905 kommt es zu einer Lebenskrise, als Margarete früh verstirbt, und es zu den Grundgesetzen der Arithmetik, die Frege in steter Hingabe entwickelt hatte, fundamentale Kritik gibt. Neue Belebung erfährt Frege durch die Vormundschaft für den kleinen Alfred Fuchs und die sich entwickelnde internationale Anerkennung. Dann erschüttert der Erste Weltkrieg nachhaltig seine Weltsicht.
Am Ende der Zeitreise mit Gottlob Frege wird der Leser mit privaten politischen Aufzeichnungen konfrontiert, die in den Monaten März bis Anfang Mai 1924 entstanden sind. Freges Gedanken waren damals nicht ungewöhnlich, sind heute aber über weite Strecken nicht akzeptabel und wirken sicher befremdlich.
(siehe auch Google: Freges Politisches Tagebuch – Hochschule Wismar)
Sie müssen wohl einbezogen werden in das Nachdenken über ihn, einem in seinem Werk unbegreiflichen Genie.
Nach Abschluß des zweiten Teils der Frege-Romanbiografie, begannen wir, eine Gesamtausgabe vorzubereiten. In diese Ausgabe, in der einige Erweiterungen vorgenommen wurden, ist auch ein genaueres Entnotenverzeichnis aufgenommen worden. Die Gesamtausgabe ist beim Springer-Verlag in Druck und wird 2025 auf den Markt kommen.
„Dieser Frege ist einer der größten deutschen Denker gewesen. Ja einer der größten abendländischen Denker überhaupt. Ein Denker vom Rang und der Tiefe eines Leibniz und einer schöpferischen Kraft, die von der seltensten Mächtigkeit ist.“ (Prof. Heinrich Scholz, Nachlassverwalter, Universität Münster)

(Foto: Katja Haescher, Schweriner Volkszeitung)
Professor Dieter Schott entwickelte mit uns im 6. Kapitel der Romanbiografie – sie ist beigefügt - einige Gedanken zu Freges Logik. Wir haben dazu gemeinsam auch eine kurze Gesprächsszene (Frege und die Formale Logik. Ein Gespräch in der Schule.) entworfen, die unsere Leser interessieren könnte.
Beigefügt ist ebenfalls ein Flyer zum Leben und Wirken Gottlob Freges (engl. Version), für den es in Wismar aus Anlass seines 100. Todesjahres eine Vielzahl von Aktivitäten geben wird.